Pressestimmen (Ende)


Montag, 30. September 2002



Von Lona Chemel
Durch den Theatersaal tönt der Hit von Reinhard Fendrich "Tango Korrupti". Dann beginnt das Spiel von unmodernen Werten und modernen Methoden, die es genau genommen eh schon immer gegeben hat. Durch die ausgedehnte Tätigkeit der Medien erfährt man jetzt nur besser von solchen Dingen.
Im Theater-Center-Forum fand die Uraufführung von "Tango Korrupti", der preisgekrönten Komödie des 1939 in St. Pölten geborenen Schriftstellers Günther Stingl statt. Das Stück erzählt von einem jungen Bauunternehmer, der seinen Vater zwingt ihm den Betrieb zu überschreiben. Denn der grundanständige Vater passt nach Ansicht des Sohnes nicht

mehr in unsere schnelllebige, nach Erfolg jagende Zeit. Und so arbeitet der Junge mit allen Mitteln, nichts ist ihm zu schmutzig und widerwärtig. Wird das auf Dauer funktionieren?

Bruno Thost inszenierte flott und einfallsreich und führte ein sehr gutes Darstellerteam zum Erfolg. Bezaubernd und facettenreich die beiden Damen: Katja Thost-Hauser und Leila Shalaby. Markant, eindrucksvoll, präsent die jungen Herren: Felix Kurmayer und Marcus Strahl. Souverän, berührend, hu-morvoll die älteren: Karl Schuster, Reinold Tischler, Franz Becke. Zwei Randfiguren profilieren Peter Horak und Christopher Hoffmannn.

 

 


@cetera
Uraufführung
Tango Korrupti
von Günther Stingl
26. 9. 2002
Theater-Center- Forum Wien

Günther Stingl erntete Uraufführungslorbeeren in Wien

Von Rainhard Fendrich in einen Tango verpackt - von Günther Stingl zu einer schrillen, grotesken Szenenfolge verdichtet: Die Baubranche schlechthin!

Korruption, Erpressung, Hurerei, Baulöwen, Bauhaie, .....die assoziativen Wörter zum Thema Baugewerbe ließen sich beliebig fortsetzen.
Medienberichte über Skandälchen und Skandale rund ums Bauen könnten Archive füllen, wie es scheint.

Der St.Pöltner Autor Günther Stingl hat in seinem Stück "Tango Korrupti" eine aberwitzige Handlungskette gefädelt, die dem Publikum schier den Atem raubt. Da wird ein alternder Firmenchef namens Hans Bergmann - sehr ergreifend von Karl Schuster dargestellt - von seinem Sohn Walter ohne Skrupel entmachtet. Der Junior zeigt auch weiterhin nur Ambitionen fürs Keilen von Aufträgen, um die drohende Firmenpleite zu verhindern. Sein Motto: Einzig die Harten kommen durch und der Zweck heiligt die Mittel. Felix Kurmayer mimt souverän den Eiskalten. Das weibliche Personal darf ausschließlich die Reize perfekter Damenkörper in den Dienst der Sache stellen. Andrea, Jungunternehmersgattin, und Freundin Nicole haben auf Teufel komm raus geil zu sein. Katja Thost- Hauser spielt die berechnend laszive Gattin und Leila Shalaby das liebe Luder. Je nach Auftrag muss ein Mann aus der Branche betört werden zwecks Gewinnmaximierung fürs Unternehmen. Sex, Geld und Alkohol - den Luxus muß man sich wegen des eher bescheidenen Bühnenbildes dazudenken - sind die treibenden Kräfte des Geschehens. Ein Rechtsanwalt - Christopher Hoffmann wirkt authentisch - bringt die juristischen Aspekte ein. Der Gutmensch, Journalist Philipp Obermayer - von Marcus Strahl dargestellt - ist von seinem Weg nicht abzubringen und ein Baurat - Reinold Tischler - darf zur Jagd gehen. Pech hat nur Egon Nowotny, Staatssekretär, beamteter Geheimnisträger, von Franz Becke als geiler Trottel gegeben. Novotny geht beim Vögeln mit der Unternehmersgattin ex, und der Notarzt Dr. Brunner, von Peter Horak als perfekter Zyniker gespielt, darf als Informant für medialen Zündstoff sorgen. Das Ensemble zeigt Spielfreude ob des pikanten Geschehens. Das Ende des Stückes ist mehr als lebensnah: Die, die nicht gestorben sind, die leben weiter, ob Charakterschwein oder Tugendbolzen .....

Bruno Thost hat Stingls Stück furios in Szene gesetzt. Das heftig Beifall spendende Uraufführungspublikum war nicht ganz sicher, ob es glauben sollte, was im Programmheft stand: Handlung und Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen wäre rein zufällig ung gänzlich unbeabsichtigt.

Die Niederösterreich- Premiere findet am 14. Oktober im Kulturhaus Wagram in St.Pölten statt.

D.C.Müller

Impressum: Literarische Gesellschaft St.Pölten, Rennbahnstr. 28, A-3100 St.Pölten. Herausgeber: Dr. Doris Kloimstein. Redaktion:
Doris Kloimstein, Alfred Koch, Mag. Eva Riebler. Namentlich gezeichnete Beiträge geben die Meinung des Autors/der Autorin wieder
und müssen mit der Meinung von Herausgeber und Redaktion nicht übereinstimmen. ISSN: 1682-9107                            € 0,30.-

 

 

 



Mit der Uraufführung von "Tango Korrupti" dürfte dem bekannten St. PöltenerAutor Günther Stingl ein Geniestreich gelungen sein: Die Premiere im "Theater-Center-Forum-Wien" war jedenfalls ein grandioser Erfolg und so mancher Kritiker sprach "von einer aberwitzigen Handlungskette, die dem Publikum schier den Atem raubt".

Das Stück erzählt von einem jungen Bauunternehmer, der seinen Vater zwingt, ihm den Betrieb zu überschreibe:n. Denn der grundanständige Vater passe nach Ansicht des Sohnes nicht in unsere schnelllebige, nach Erfolg jagende Zeit. Und so arbeitet der Junge mit allen Mitteln. Nichts ist ihm zu schmutzig und widerwärtig.

Die Frage lautet nur: Wird das auf die Dauer gutgehen?
Das Ensemble zeigt Spielfreude ob des pikanten Geschehens. Das Ende des Stückes ist mehr als lebensnah: "Die, die nicht gestorben sind, leben weiter, ob Charakterschwein oder Tugendbolzen."

Bruno Thost hat Stingls Stück furios in Szene gesetzt. Das. heftig Beifall spendende Publikurn dürfte sich aber nicht sicher gewesen sein, ob es glauben sollte, was im Programmheft stand: Handlung und Personen sind frei erfunden.
Die Niederösterreich-Premiere von "Tango Korrupti" findet übrigens am 14. Oktober im Kulturhaus Wagram in St. Pölten statt.

 




St. Pöltner Zeitung
14.10.2002


TANGO KORRUPTI / In neuer, preisgekrönter Satire nimmt Günther
Stingl die Baubranche aufs Korn. NÖ- Premiere wird in Wagram gefeiert.

Handlung und Personen sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit Lebenden oder Verstorbenen wäre rein zufällig und gänzlich unbeabsichtigt. "Und doch", so meint Marianne Gruber in ihrem Vorwort zu Günther Stingls "Tango Korrupti", "kommen dem Zuschauer diese Typen irgendwie bekannt vor. .."

Diese Typen, das sind beispielsweise der alternde Baulöwe Hans Bergmann (Karl Schuster), oder sein Sohn Walter (Felix Kurmayer), der den Senior skrupellos entmachtet und ebenso Aufträge für die vor der Pleite stehende Firma keilt.

Was Rainhard Fendrich seinerzeit in eine Tango-Melodie verpackte, hat der St. Pöltner Autor Günther Stingl zu einer schrillen Szenen-Folge verdichtet, die ihre NÖ-Premiere am 14. Oktober im Kulturhaus Wagram erlebt. Gewinnmaximierung ist oberstes Gebot in Stingls Baubranche-Satire, Sex, Geld und Alkohol die treibenden Kräfte.

Inszeniert hat Stingls neues Stück, für das er - bereits zum zweiten Mal - den Theodor- Körner-Literaturpreis erhalten hat, Bruno Thost. Die Uraufführung in Wien wurde im September heftig beklatscht, die NÖ-Premiere in Wagram beginnt um 19.30 Uhr.





AUSGABE 100/2003 * XXV * EURO 4,-


DIE ENTLARVUNG DER ALLTÄGLICHEN VERLOGENHEIT
Günther Stingl, Tango korrupti. 2 Bühnenstücke. Edition Roetzer. Eisenstadt 2002. 117 Seiten.
Günther Stingl ist ein unbarmherziger Satiriker, der mit ätzender Ironie - ganz in der Tradition der österreichischen dramatischen Kunst - die Schwächen und die Ungenügsamkeiten der Zeitgenossen und ihrer Gesellschaft entlarvt. Er hat bis jetzt auch mehrere Romane und Erzählungen in Buchform veröffentlich, doch hat das meiste Interesse beim Publikum vor allem mit seinen dramatischen Arbeiten (u.a. Der Neue, 1983, Herzattacke, 1993) erreicht. Auch in seiner neuen Publikation, in der zwei Bühnenstücke veröffentlicht sind, kämpft der Autor mit Hilfe einer fast kabarettistischen Form gegen die alltägliche Verlogenheit, Heuchelei und das Intrigantentum seiner Mitmenschen. Unter dem Titel "Der Kongress" wird im ersten Stück die kleinbürgerliche Scheinmoral und die literarische Möchtegernszene Österreichs aufs Korn genommen und zusätzlich mit einer bösartigen Ehebruchgeschichte garniert. Der Mann von Verena, ein gefragter Architekt für schöne Fassaden, der seine Frau zwar materiell verwöhnt, doch geistig vernachlässigt, verliert seine dem Schreiben verfallene Gattin an einen literarisch tätigen anderen, doch vielleicht nur vorübergehend (Sie:"Ich soll zu Hans zurückkehren und weiterhin mit Bert schlafen, sooft ich Lust dazu habe...Das ist natürlich auch eine Möglichkeit...", S. 53).

Sehr aktuell ist auch das zweite Stück "Tango korrupti", in dem die Korruption in der Wirtschaft und Politik entlarvt wird. Mit Mitteln der Satire und Groteske - ein Kunstgriff, der dem Autor ermöglicht, das Negative in einer vergrößerten Optik darzustellen - verdeutlicht Stingl am Beispiel des jungen, draufgängerischen und machtgierigen Unternehmers Walter Bergmann und seiner Frau das Unwesen der Spekulanten und von ihnen abhängigen korrupten Staatsbeamten. Die junge Frau des Unternehmers versucht nämlich auf seinen Wunsch mit ihrer weiblichen List und erotischen Kunst den Staatssekretär, als sie sich ihm hingibt, für Unterstützung der Unregelmäßigkeiten im Unternehmen und Deckung der Skandale zu gewinnen. Obwohl der Staatssekretär beim Liebesakt wegen der Aufregung am Herzversagen stirbt und dadurch für das Unternehmen viele neue Schwierigkeiten entstehen, endet alles gerade durch die "Anziehungskraft des Lasters" im Butter. Der Unternehmer wird wieder neue bedeutende Aufträge bekommen und seine Frau wird inzwischen, da sie Lust an der Sache gewonnen hat, "was Hübsches" bei wichtigen Männern der Politik und Wirtschaft ausziehen können, um sich zu amüsieren und zugleich dem Unternehmen des Ehemannes zu helfen.
Der Autor schränkt in beiden Stücken die Handlung auf das Wesentlichste ein. Die Figuren zeichnet er sehr gekonnt, manchmal auch in der parodistischen Beleuchtung und Brechung. Auch hier zeigt sich Stingls Sinn für theatralische Wirkung.


LEV DETELA

            

zurück              Stingl im
 Internet